Akademiker muss Döner verkaufen

Vom Spritze setzen zum Dönermesser wetzen...(Foto: Worldofmillions.com - Norman Ermer / pixelio.de)

Vom Spritze setzen zum Dönermesser wetzen…(Foto: Worldofmillions.com – Norman Ermer / pixelio.de)

„Am Anfang hat das richtig weh getan“, erklärt Nevzat Akpolat. „Es war nämlich gar nicht so einfach, Fleisch zu hobeln, sich im Imbiss die Füße platt zu stehen und Döner zu verkaufen und dabei die ganze Zeit im Kopf zu haben, dass ich doch eigentlich Arzt bin.“

Der 52-jährige gehört zu den rund 500.000 ausländischen Akademikern, die in Deutschland trotz ihrer hohen Qualifikation nicht in ihrem Job tätig sein können, da ihre Abschlüsse hier keine Anerkennung finden.

Vor rund einem Jahr wurde von der Regierung deshalb ein Anerkennungsgesetz auf den Weg gebracht, das jetzt eine erste Bilanz hervorgerufen hat. So wurden seit April 2012 ca. 30.000 Anträge gestellt, 12.000 allein von Krankenpflegern und Ärzten. In zwei Dritteln aller Fälle konnten die Abschlüsse danach anerkannt werden.

Für viele bringt das Gesetz aber nichts mehr, da es zu spät kommt. Akpolat konstatiert: „Ich hätte vor 20 Jahren diese Hilfe benötigt.“ Der Döner-Verkäufer kam im Anschluss an sein Medizinstudium 1990 aus der Türkei nach Berlin, wollte sich dort spezialisieren. Dafür sollte er allerdings in Deutschland drei Staatsexamen nachholen, obwohl er entsprechende Prüfungen in seiner Heimat längst bestanden hatte. Da sich Akpolat weitere Jahre an der Universität finanziell nicht erlauben konnte, gab er auf und machte sich mit einem Döner-Imbiss selbstständig.

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