Die Kunst des Döner Spießes

In der Zeitung „Schaumbuger Nachrichten“ wurde jetzt über die Kunst des Döner Spießes berichtet.

Es gibt in Deutschland über 16.000 Döner Imbissbuden, Berlin besitzt davon allein schon 1.300. Doch an der Verwertungskette hat auch Bückeburg seinen Anteil, so stellt die Firma Songün tagtäglich viele Döner Spieße her, mit der Läden der ganzen Bundesrepublik beliefert werden.

In Bückeburg an der Jahnstraße ist die Firma Songün Döner Produktion und Fleischgroßhandel beheimatet, 15 Mitarbeiter helfen bei der Herstellung von Döner Spießen. Schicht für Schicht wird Hähnchen- oder Putenfleisch aneinander geheftet, Boss Ahmet Songün verrät, „das ist nicht einfach. Die Leute, die die Spieße produzieren, benötigen viel Geschick, damit die einzelnen Fleischteile auf dem Spieß auch richtig sitzen. Schließlich darf der Spieß nicht auseinanderfallen, wenn er beim Kunden ankommt. Wir achten deshalb sehr auf die Fleischqualität und die Beschaffenheit unserer Spieße. Hier müssen wir immer dran bleiben, denn die Konkurrenz schläft nicht.“

Songün verarbeitet jede Woche ca. 30 t Fleisch bzw. handelt damit. Deshalb haben auch Berliner Döner Fans regelmäßig Fleisch aus Bückeburg am Gaumen. Songün sieht deshalb für die Döner Branche eine glänzende Zukunft: „Es wird immer weiter nach oben gehen, der Markt nimmt immer größere Formen an, vor allem bei unseren Nachbarn in Europa beispielsweise in Frankreich.“

Schließlich habe in Deutschland mittlerweile auch fast jedes kleinen Dorf seinen eigenen Döner Imbiss. Auch in den restlichen europäischen Ländern wird das bald der Fall sein. Jedes Jahr werden allein in Deutschland über 1 Milliarde Döner über die Ladentheke gereicht. Der Umsatz liegt bei rund 4 Milliarden €. Die Döner Industrie ist damit größer als Burgerking oder McDonald’s, dies kann als erstaunliche Entwicklung bezeichnet werden.

Songün hingegen will vorerst nicht expandieren, sondern in seinem Stammsitz in Bückeburg weiter erfolgreich arbeiten. „Auch an meine Familie muss ich denken, nicht nur an eine Expansion. Schließlich darf die Familie nicht zu sehr unter meiner Arbeit leiden. Die Gefahr irgendwann nur noch mit dem Döner verheiratet zu sein ist enorm.

Auch wenn er den ganzen Tag mit Döner verbringt, verputzt Songün die gefüllte Fleischtasche noch immer mit Genuss. „Ich mag den Döner am liebsten von meinen eigenen Spießen, denn da weiß ich, was dran ist, und das was dran ist, ist auch gut. Ich esse aber nicht mehr als drei dünner in der Woche, sonst wird man nämlich auch davon dick.“

Mit 22 Jahren kam Songün aus einem kurdischen Dorf der Türkei nach Deutschland. „In meiner Heimat war es damals sehr gefährlich, vor allem für Leute, die sich politisch engagierten. Ich bin in Deutschland gut aufgenommen worden, und habe auch schnell Freunde gefunden, nachdem ich der deutschen Sprache mächtig war.“ Deshalb rät er Einwanderern: „Ihr müsst die deutsche Sprache schnell lernen, das ist sehr wichtig, um eine gute Integration hin zu bekommen. Mir hat das auch auf meiner ersten Arbeitsstelle sehr geholfen.“ Seine Job-Premiere fand in einer Fleischerei statt.

Mittlerweile ist Deutschland für Songün Heimat: „Dort wo meine Freunde und Familie sind, bin ich zuhause. In der Türkei bin ich schließlich mittlerweile fremd.“ Auf die Frage, ob er nun Kurde, Türke oder Deutscher sei, antwortet der Döner Dreher mit schmunzeln im Gesicht: „Ich bin zuerst einmal ein Mensch. Die Differenzierung zwischen Kurde, Türke oder Deutscher nimmt bei mir keine große Wichtigkeit ein, denn ein guter Mensch ist ein guter Mensch, ein schlechter eben ein schlechter – egal, woher er stammt und welcher Religion er vertraut. Ich selbst bin Alevit, und wir tolerieren und akzeptieren alle Menschen.“

In der momentanen Diskussion um das Kriegskrisengebiet in Syrien, Irak und der Türkei verrät er: „Fanatiker, also Menschen, die denken, dass sie wüssten, was falsch oder richtig ist, sind mir suspekt. Ich kann nicht glauben, was die Terroristen da alles machen. Das sind für mich keine Menschen, die Kinder und Frauen töten. Für mich ist es auch erschreckend, dass sich in ganz Deutschland Salafisten breitmachen. Ich bin aber immer noch guter Hoffnung, dass man bald etwas gegen diese Leute unternimmt.“

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